Der Weg zur Pfarreigründung

Um 1800 herum hatten wir turbulente Zeiten in Europa, politisch durch die napoleonischen Kriege und geistig durch das, was wir später ‘Aufklärung’ nannten.

Die französische Revolution 1789 war gewissermaßen der Auftakt zu einer europäischen Neuordnung. Diese raubte letztlich dem Würzburger Fürstbischof Fechenbach seine Vorsilbe ‘Fürst-’ und kostete gleichermaßen dem Schweinfurter Magistrat seine freireichsstädtische Selbständigkeit.

Sowohl das Fürstbistum als auch die freie Reichsstadt gingen als selbständige politische Gebilde unter und landeten letztendlich unter der Oberherrschaft von ‘Churpfalzbaiern’.

Bayern machte zwar durch sein ‘Toleranz-Edict’ vom 10. Januar 1803 mit der religiösen Bevormun-dung seiner Bürger Schluss und führte Religionsfreiheit ein, war im übrigen aber ein eifriger Verfechter der Säkularisation, die viele ‘katholische’ Reichtümer in die Staatskassen spülte.

Insbesondere war es der bayerische Minister Montgelas, der nicht zimperlich mit den Kirchengütern und -rechten umging. Allerdings gereichte unserer Pfarrei Heilig-Geist beides zum Vorteil:

  • das Toleranzedict ermöglichte die Gründung einer katholischen Gemeinde in Schweinfurt,
  • die Säkularisation brachte uns sowohl einen tüchtigen Geistlichen aus Heidenfeld als auch,
  • gute Kirchen-Erstausstattung aus säku larisierten Klöstern Unterfrankens.

Lassen wir wieder den siebten Pfarrer von Heilig-Geist, Franz- Xaver Himmelstein sprechen, der 1846 seine Chronik (mit Rückblick) begonnen hat:

‘Das Kriegscorps des österreichischen Generals Simbschoon errichtete in Schweinfurt eine Depots-Commission, bei welcher sich viele Katholiken befanden.
1795 richtete die Commandantschaft an die nahegelegene Abtei der regulirten Chorherren zu Heidenfeld die Bitte, um Abhaltung sonn- und feiertägigen katholischen Gottesdienstes in Schweinfurt, und diese sandte bereitwillig fast wöchentlich einen Priester zu diesem Zwecke hierher, welcher die nöthigen Kirchengeräthschaften aus dem Kloster mitprachte.
Diese Aushilfe wurde bis zum Oktober 1802 fast ununterbrochen fortgesetzt; jetzt aber entschloß sich einer der Kanoniker in Schweinfurt eine Wohnung zu beziehen, um den gottesdienstlichen und seelsorgerlichen Verrichtungen für die Katholiken des Kaiserlichen Militärs und der Stadt selbst ordentlich obliegen zu können. Es war Peter Papius – von nun an Curatus in Schweinfurt.’

Was der Chronist hier nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass die Probstei Heidenfeld ebenfalls säkularisiert wurde und die Konventualen sich ohnehin neue Aufgaben suchen mussten. Ein Teil setzte sich zur Ruhe (alle bekamen je nach Stand kleine oder größere Pensionen aus der Staatskasse), ein Teil übernahm auch Pfarrstellen.

‘Er (Peter Papius) betrachtete jetzt die völlige Begründung einer katholischen Pfarrey dahier als seine Lebensaufgabe. Fein und einnehmend im Umgange, zuvorkommend gegen Jedermann, unermüdlich und erfinderisch in Auffindung neuer Mittel, um zu seinem Ziele zu gelangen, und nicht zu entmuthigen durch wiederholte abschlägige Bescheide, wußte er es endlich zu erlangen, daß die Landesdirektion zu Würzburg (denn Schweinfurt war 1802 an Churpfalzbayern gekommen) im Jahre 1803 die Spital-Kirche, welche mehrere Jahre auch als Magazin gedient hatte, ganz umgestalten und zum Gebrauche für den katholischen Kultus einrichten ließ’

Dies war nicht ganz einfach, reklamierte doch der Schweinfurter Stadtmagistrat diese Kirche als Stiftungseigentum 1803 wieder zurück.
Erst ein geharnischtes Schreiben der bayerischen Regierung vom 2. August 1803

(…unangenehm und befremdend, daß der Magistrat … die Hospitalkirche aus Gründen zurückreclamiret, deren kleinliche intolerante Richtung … einer auf Bildung und Cultur Anspruch erhebenden Stadt wenig Ehre bringt)

…rückte in recht herben Worten die Dinge zurecht. Papius hielt nun regelmäßigen katholischen Gottesdienst, finanziert einzig durch seine Klosterpension von 400 Gulden im Jahr.

Die ausgeräumte und gründlich gereinigte Heilig-Geist-Kirche stattete er mit einer exzellenten Einrichtung aus. Er machte sich auf den Weg durch das Bistum, wo überall in den säkularisierten Klöstern erlesene Kunstwerke um ein Spottgeld zu haben waren. Meist wurden ihm diese auch durch die Regierung kostenlos zugewiesen.

Himmelstein schreibt:

‘Es schien, als habe die Vorsehung mit dieser wiedererstandenen katholischen Pfarrkirche… den zertretenen Ordenshäusern des Frankenlandes ein Epitaphium errichten wollen, denn die Einrichtung dieser Kirche ward aus Überbleibseln der vorzüglichsten Klöster zusammengesetzt.’

So kamen Altäre, Orgel, Kanzel und sonstige Kirchen-Gerätschaften aus den Klöstern St. Afra, Bildhausen, Handthal, Heidenfeld, Himmelspforten, Ober- und Unterzell, Theres und Tückelhausen.

Somit war ein guter Anfang gemacht, eine richtige Pfarrei war es noch nicht.