Die Pfarreigründung

Papius fehlten vor allem die zur Führung einer Pfarrei erforderlichen Mittel für Sachaufwand, Organist, Kirchendiener etc. Er verfügte lediglich über seine persönliche Klosterpension von 400 Gulden jährlich.

So schrieb er am 3. Juli 1805 an das königliche Landkommissariat, man möge ihn von seinem Amt entheben, weil er bereits seit drei Jahren für die Pfarrei kein angemessenes Gehalt bekäme.

Diese Drohung zeigte Wirkung:
Bereits am 5. August 1805 beschließt die “Churfürstliche Landesdirektion gnädig, seiner Churfürstlichen Durchlaucht” darüber Bericht zu erstatten.

Dazu sollte allerdings der Schweinfurter Stadtcommissär Holler zusammen mit dem Pfarrer Peter Papius ein “detailliertes Verzeichnis der Bedürfnisse für den öffentlichen Cultus, und für die Unterhaltung der Kirche” erstellen.

Dies ist wohl geschehen, denn am 6. September schiebt Holler noch nach:

“Die Churfürstliche Landesdirektion erachtet es zur Erstellung eines gründlichen Berichtes über die Notwendigkeit einer katholischen Pfarrey dahier für nöthig, die Anzahl der in hiesiger Stadt wohnenden Katholiken anzugeben”.

Für die nächsten sieben Monate ist im Pfarrarchiv kein Schriftstück aufzufinden. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass weitere Kommunikationen stattgefunden haben.

Das gute Ende kam mit einem Schreiben des Königlich Bayerischen General Land Commissariats aus Bamberg, geschrieben am 18. April 1806.

Im Pfarrarchiv liegt eine Abschrift davon aus dem Jahre 1816 vor. Sie wurde am 27. August 1816 vom Schweinfurter Polizei Kommissariat beglaubigt und mit einem Dienstsiegel versehen.

Darin heißt es:

“Im Namen Seiner Königlichen Majestät von Baiern, Nachdem Seine Königliche Majestät mit dem allerhöchsten Rescript vom 7. des Monats. auf erstatteten Vortrag zu beschließen allergnädigst geruht haben, dass zur Errichtung einer eignen katholischen Pfarrey zu Schweinfurt für jetzt ein jährlicher Beitrag von 350 Gulden, für den Pfarrer, Kirchner und Organisten und in der Folge …”


usw.

Letztlich hat der bayerische König Maximilian folgende jährliche Gelder bewilligt:

Für den Pfarrer 700 Gulden und für den Kirchner und Organisten 200 Gulden jährlich.
Da allerdings sowohl der Pfarrer als auch Kirchner und Organist bereits mit staatlichen Pensionen versehen waren, wurden diese Beträge vorerst noch in Abzug gebracht.

Somit wurde der Stadtkommissar Holler letztlich angewiesen, ab 1. April 1806 350 Gulden jährlich (300 für den Pfarrer und 50 für den Organisten) aus den städtischen Steuereinnahmen abzuzweigen und an den Pfarrer zu übergeben. Statt dieses Geldes möge er die vom Pfarrer erhaltenen Quittungen an die königliche Provinzial-Staats-Neben-Kasse abliefern.

Auch enthält dieses Schreiben die Weisung, das evtl. vom Militär noch genutzte Wohnhaus für den Pfarrer räumen zu lassen.
Im Februar 1804 waren ja Hospital und Waisenhaus zu Kasernen eingerichtet worden, um eine Schwadron bayerische Kavallerie aufzunehmen.

Das Datum des Dekretes wird bereits seit langem als das Gründungsdatum der Pfarrei Heilig-Geist angesehen und bestimmt somit den 18. April 2006 zum Jubiläumstag.

Warum aber kam dieses Schreiben aus Bamberg und nicht aus Würzburg?

Als 1802 sowohl das Fürstbistum Würzburg als auch die Reichsstadt Schweinfurt bayerisch geworden waren, wurde Würzburg Zentrum eines Landesdirektionsbezirks (etwa so, wie es heute noch Zentrum des Regierungsbezirks Unterfranken ist).

Im Preßburger Frieden vom 26. Dezember 1805 wurde Würzburg wieder aus Bayern herausgelöst und dem österreichischen Prinzen Ferdinand von Toskana als eigenständiges Großherzogtum gegeben.
Da Schweinfurt aber früher nie zum Fürstbistum Würzburg gehörte, blieb es auch jetzt bei Bayern. Und somit war für diese Zeit die nächstliegende bayerische Landesdirektion in Bamberg für Schweinfurt zuständig. Das bischöfliche Vicariat Würzburg war geistlich noch zuständig, für die staatlichen Finanzen aber nicht.

So kam es am 5. März 1807 zu einer verwunderten Anfrage aus dem Ordinariat Würzburg an den Schweinfurter Pfarrverweser, “auf welche Art die Stiftung der Pfarrey zustande gebracht, und der zum Katholischen Kultus nothwendige jährliche Aufwand … bestritten werden solle?”

Die Antwort darauf liegt im Heilig-Geist-Archiv leider nicht mehr vor.