Die Pfarrer des 19. Jahrhunderts

Der jetzige Pfarrer Reiner Fries ist der 20. Pfarrer seit der Gründung von Heilig-Geist.
Im Folgenden soll nun in Kurzform über die Amtszeiten der Pfarrer berichtet werden.
Die wesentliche Quelle hierfür ist zunächst wieder die 1846 von Himmelstein begonnene Chronik.

Wie bereits berichtet, beginnt die Reihe mit dem aus dem Kloster Heidenfeld stammenden ehemaligen Chorherren Peter Papius.
Seinem Engagement verdanken wir die Pfarreigründung am 18.April 1806. Ebenso, dass die in protestantischer Zeit kaum genutzte Spitalkirche für den katholischen Kultus zur Verfügung gestellt und exzellent ausgestattet wurde. Auch in die Renovierung des alten Spital-Kellereigebäudes als Pfarrwohnung steckte er Zeit und Geld. Bei der Pfarreigründung war er bereits 51 Jahre alt und somit einer der ältesten Pfarrer, die diese Pfarrei je übernahmen. Nach 5 Jahren zog er sich 1811 nach Würzburg zurück, wo er 1830 starb.

Ihm folgte im Jahre 1812 als 2. Pfarrer Johann Josef Moelter. Erst 39 Jahre alt blieb er 11 Jahre in Schweinfurt, eine Amtsdauer, die in ihrer Länge erst ab dem 12. Pfarrer wieder erreicht wurde. Dazwischen waren durchweg nur 3 bis 6 Jahre üblich.

Moelter hat sich vor allem um die Errichtung der katholischen Schule in Schweinfurt verdient gemacht. Bereits 1813 hat die Regierung auf seine Veranlassung hin einen “eigenen Schulcantor angestellt und ein kleines Zimmer für den Unterricht gemiethet. Diese Schule ward 1817 in Folge mancherlei Intrigen wieder aufgehoben, jedoch 1819 neu und bleibend errichtet, ein ordentlicher Schullehrer angestellt und die nöthigen Gelder aus Staatsmitteln angewiesen”. Auch wurde 1920 ein Schulhaus mit Lehrerwohnung erbaut. Moelter vertauschte die Pfarrstelle 1823 mit einem Kollegen aus Eltmann.

Von dort kam Nicolaus Casseder als 3. Pfarrer nach Heilig-Geist.
Er war mit knapp 56 Jahren der zweitälteste, der diese Pfarrstelle je antrat. Vor der Säkularisation war er Kapuzinermönch, danach Pfarrer in Baunach und schließlich in Eltmann.
“Schon kränklich bei seiner Ankunft starb er schon nach sechs Wochen am 31. Dez 1823; er setzte die Kirche zu seinem Haupterben ein, und legte so den ersten Grund zu dem Kirchenfond.”
Geistlich konnte die Gemeinde somit nicht von ihm profitieren, allerdings waren 1900 Gulden ein beträchtlicher Grundstock für den Kirchenfond.

Der 4. Pfarrer war Johann Baptist Hirth. 42 Jahre alt erlangte er die Pfarrei am 5. Juli 1824.
Er wandte “…alle Mühe und den größten Teil seines Vermögens auf für die Verschönerung der Kirche, die Verbesserung der Pfarrwohnung und die Herrichtung des Pfarrgartens.”
Auf sein Ersuchen stellte der Stadtmagistrat einen in der evangelischen Salvatorkirche entbehrlich gewordenen Taufstein der katholischen Heilig-Geist-Kirche zur Verfügung.
Später erlitt er einen “Schlagfluß” und war genötigt, einen Aushilfspriester zu halten, bis er schließ-lich 1833 die Pfarrei aufgab. Schon 1834 starb er in Bamberg. Kaplan Valentin Gaymann wurde Pfarrverweser bis endlich am 5. Mai 1835 der Nachfolger eingesetzt wurde.

Dieser 5. Pfarrer wurde der 48-jährige Georg Schmitt. Lt. Chronik kam er aus Tauberrettersheim und wurde vom “damaligen Regierungspräsidenten Grafen Rechberg auf die ehrenvollste Weise nach Schweinfurt berufen … Durch seine Bemühung und durch die Gunst des genannten Grafen Rechberg wurde die Kaplanei dahier gegründet…” und mit 400 Gulden jährlich ausgestattet.
Diese Gunst des Grafen mag wohl auch Schuld gewesen sein, dass Pfarrer Schmitt der Pfarrei nach nur drei Jahren wieder entrissen wurde. Er war 1838 zum Domkapitular und zum Domstadtpfarrer in Würzburg befördert worden.

Ein ebenfalls nur kurzes Gastspiel, wenn auch aus anderem Grunde, gab als 6. Pfarrer der nur 32-jährige Philipp Staub, der am 27. Oktober 1838 auf eigenes Gesuch hin die Pfarrei erhielt. “Doch des ungewohnten Stadtlebens überdrüssig und sich nach den Vorzügen der Land-Seelsorge sehnend, bewarb er sich um die Pfarrei Dorfprozelten, wohin er im Anfange des Jahres 1842 abging.”
In seine Zeit fiel noch eine Stiftung von 1000 Gulden von den evangelischen Geschwistern Schramm (Schrammstraße!), ehemalige Schweinfurter Bürger, die in England zu Reichtum gekommen waren.

Als 7. von 20 Heilig-Geist-Pfarrern zog am 16. Januar 1844 der 32-jährige Franz Xaver Himmelstein auf. Er war Doktor der Philosophie und vorher Domkaplan in Würzburg.

Seiner schriftstellerischen Begabung ist es wohl zu verdanken, dass er als Erster eine Pfarreichronik anlegte. Diese Chronik ist die Hauptquelle für den Bericht über die Pfarrer des 19. Jahrhunderts.

Schon als Domkaplan war er gelegentlicher Mitredakteur der katholischen Publikation “Allgemeiner Religions- und Kirchenfreund….” und nach seiner Heilig-Geist-Zeit war er Herausgeber der “Katholi-schen Wochenschrift”, ähnlich des heutigen “Sonntagsblatts”.
Er stellte den von Pfr. Hirth bereits im Jahre 1828 erworbenen Taufstein auf, der aus der ev. Salvatorkirche stammte.

Franz Xaver Himmelstein1849 wechselte Dr. Himmelstein an die Dompfarrei in Würzburg und wurde später Dompropst.
Ab 1875 war Franz Xaver Himmelstein der Wunschkandidat der Würzburger für den verwaisten Bischofsstuhl. König Ludwig II. und Papst Pius IX. konnten sich aber nicht einigen. Erst nach dem Tode Pius IX. im Jahre 1878 einigte man sich mit dem neuen Papst auf Franz Joseph Stein als neuen Würzburger Oberhirten.

Achter Pfarrer von Heilig-Geist wurde Thaddäus Düring, der 34-jährig von Kissingen nach Schweinfurt kam. Die Chronik vermerkt: “Bereits mit kränklichem Körper angekommen – erlag er den 28ten November 1851 den Folgen einer langwierigen Luftröhrenschwindsucht.”

Sein Kaplan Michael Philipp Helmsauer wurde in der Karwoche 1852 zum 9. Pfarrer ernannt. Im Sommer 1853 bat er um die Pfarrei Neustadt a/S., welche er auch erhielt.
Leider haben weder Düring noch Helmsauer auch nur eine Zeile in der Chronik hinterlassen, sodass wir aus ihrer Zeit noch nicht viel wissen.
Es muss allerdings einiges los gewesen sein, denn in diese Zeit fällt die Deutschkatholische Bewegung.
Ronge, ihr Gründer war in Schweinfurt und Jens Sattler baute für die Deutschkatholiken ein Bethaus am Schillerplatz. Dieses diente nach dem Verbot der Bewegung 1851 bis zu seiner Zerstörung im 2. Welt-krieg als Theater.

Von der Veste Marienberg kam der dortige Lokalkaplan Michael Büttner im Februar 1856 als zehnter Pfarrer nach Schweinfurt.
Er startete schwungvoll und setzte mit Hilfe der Staatsregierung gegen den Stadtmagistrat durch…

  • die Dachbodenräumung der Kirche (war als Getreidespeicher vermietet),
  • die Entfernung des Sprengpulvers aus dem nahe gelegenen Spital-Pulver-Turm,
  • die Teilnahme der katholischen Geistlichen an den Lehrerrats-Sitzungen.

Er scheiterte lediglich beim Widerstand gegen die bei Sattler in der Nachbarschaft errichteten Dampfkessel. Der Regierungsbescheid: sie stören den Gottesdienst nicht und sind nicht gefährlich!
Auch sorgte er für die Renovierung der Altäre und Apostelbilder.
Leider erzwang später ein hartnäckiges Nervenleiden die Unterstützung durch einen Cooperator und er musste 1862/63 die Pfarreiführung niederlegen.

Elfter Pfarrer von Heilig-Geist wurde 1863 der 37-jährige Joseph Dahlem, der vorher Kaplan an St. Peter und Alexander in Aschaffenburg war.
In seine Zeit fiel die Errichtung einer privaten katholischen Schule unter Lehrer Eckert und die Erweiterung des bestehenden Schulhauses in der Johannisgasse.
Aufregung gab es im Juli 1866, als die preußischen Truppen in Richtung Schweinfurt zogen. Die Bayern bauten hier ihre Verteidigung auf und der Pfarrgarten war 3 Tage lang von bayerischen Soldaten besetzt. Glücklicherweise zogen die Preußen westlich vorbei und Schweinfurt wurde nicht zum Schlachtfeld.
Dahlem erwarb viele neue Paramente, und Kirchengerätschaften. Die Chronik meldet:
“Die Traperie von Samt zum hl. Grabe wurde …renovirt, das hl.Grab würdig hergestellt. Allein die Mauern der Kirche behielten an Farbe und Structur ihre Ähnlichkeit mit dem Stalle zu Bethlehem.”
Dahlem verließ die Pfarrei 1868, um in Regensburg für die Erziehung von drei Waisen zu sorgen.

Mit ihm endet die Ära der “Kurzzeit-Pfarrer”. Bisher waren bis auf wenige Ausnahmen die Pfarrer nur etwa fünf oder noch weniger Jahre in der Pfarrei. Von nun an ist es umgekehrt. Die folgenden Pfarrer sind bis auf zwei Ausnahmen alle über 15 Jahre an Heilig Geist in Schweinfurt tätig.

1868 folgt der 36 jährige Theodor Diem als 12. Pfarrer. Ihm war 1863 die neu gebildete Militär Curatie übertragen worden und er war im Feldzuge 1866 Feldprediger.
Er nahm sich zur Freude Aller die Innenrenovierung vor (den Stall zu Bethlehem!). Vor dem Tünchen mussten allerdings Mengen von Fledermäusen, die sich hinter den großen Bildern eingerichtet hatten, vertrieben werden. Eine große Jagd begann, 470 blieben auf der Strecke, eine große Anzahl entkam.

Auch die Orgel wurde repariert und großzügig überholt. Er gab einen Teil des Pfarrgartens für die Projektierung der Straße zum Hauptbahnhof ab, denn während seiner Amtszeit öffnete sich die Stadt nach Westen und beide Spitaltortürme wurden abgerissen. Auch wurde das Pfarrhaus an die öffent-liche Wasserleitung angeschlossen (ein Wasserhahn im Haus und einer im Garten!).
Er wirkte 18 Jahre, in denen sich die Seelenzahl von 1 800 auf über 3 500 erhöhte. So wurde zum Ende seiner Amtszeit die Raumnot derart brennend, dass die Visitation dem ehrenwerten Kirchenvorstand die Lösung dieses Problems, also einen Kirchenneubau, wärmstens ans Herz legte. Aber erst sein Nachfolger, Clemens Valentin Heßdörfer widmete sich diesem Problem mit aller Kraft.

Diem ging 1886 nach Würzburg und wurde später Dompropst und Generalvikar. Als solcher hielt er im Jahre 1892 bei der ersten großen Fahnenweihe eines katholischen Vereins in Schweinfurt eine derart lange Rede, dass die lt. Programm ebenfalls vorgesehene Ansprache des Stadtpfarrers Heßdörfer nicht mehr gehalten werden konnte.

Mit dem 13. Pfarrer Clemens Valentin Heßdörfer kam 1886 Schwung in die Pfarrei. Während seiner Dienstzeit gab es eine große Vereinsgründungswelle. Der erste Verein war sinnvollerweise ein Kirchenbauverein, dessen Motor unbestritten Pfr. Heßdörfer war. Er kümmerte sich um die Beschaffung der Mittel, um die Grundstücke, die Entwürfe und um die Baugenehmigungen. Fast alle wichtigen Schriftstücke tragen seine Unterschrift.

Hessdörfer1890 erwirbt er ein Grundstück vor der Stadtmauer, nördlich des jetzigen Gerichtsgebäudes. “Da draußen liegt die Zukunft der Stadt” beschwor er seine Gemeinde. Er fand aber kein Verständnis und wurde gedrängt, an der alten Stelle zu bauen.
Nachdem in letzter Sekunde noch ein akzeptables Angebot der Familie Sattler für den Erwerb der ehemaligen Zuckerfabrik hinter der alten Kirche eintraf, war genügend Raum geschaffen, um die jetzige Kirche entstehen zu lassen.
1895 beginnen die Bauarbeiten für die Notkirche , 1896 für das Pfarrhaus und 1897 für die Kirche.
Erst nach der Einweihung 1902 verlässt Heßdörfer Schweinfurt und wird in Würzburg Domkapitular, später Generalvilkar.