Die Pfarrer des 20. Jahrhunderts

Der 14. Pfarrer wird 1903 der 36-jährige Josef Weidinger, der 18 Jahre lang wirkte.
Nach finanzieller Konsolidierung bringt er ab 1909 den Kirchenbau seiner Vollendung entgegen und treibt die Ausstattung mächtig voran.
Noch vor dem 1. Weltkrieg lässt er…

  • eine neue Orgel anschaffen
  • die erste elektrische Beleuchtung einrichten
  • den Altarraum gestalten mit den noch erhaltenen Steinfiguren von den Professoren Buscher und Pruska,
  • den Turm hochziehen und
  • ein hervorragendes Geläute hineinhängen.

Mit Kriegsende wird der…

  • Marienaltar fertig und
  • die Turmuhren werden angebracht,
  • 1921 entsteht der Josefsaltar an der Stelle des jetzigen Sakramentenaltars.

Viele katholische Vereinigungen wurden in seiner Zeit gegründet:

  • 1905 die KAB,
  • 1906 der Jungmännerverein,
  • 1916 der Caritasverband,
  • 1917 das Maria-Theresien-Heim,
  • 1917 der Frauenbund und die
  • 1919 die DJK.

In seine Zeit fiel auch der Beginn der Firmungen in Schweinfurt (vorher immer nur in WÜ), die Gründung der 3. Kaplanei, der Bau des kath. Gesellschaftshaus in der Johannisgasse und im Jahre 1914 die erste große Fronleichnamsprozession.

Fronleichnam

Er hat in Schweinfurt viel geleistet und geht 1921 nach Würzburg. Auch er wird später dort Generalvikar.

Am 31. Juli 1921 kommt Heinrich Leier von der Pfarrei Oberschwarzach als 15. Pfarrer nach Heilig Geist. Er bleibt nur 7 Jahre.
In seine Zeit fallen wegen des weiterhin starken Anwachsens der Gemeinde (16 300 im Jahre 1921 und 18 900 in 1925) die ersten Pfarreiteilungen.
1922 wird St. Josef in Oberndorf gegründet. Allerdings gab es dort schon seit 1918 eine Expositur-Kaplanei, besetzt mit Kaplan Anton Niedermeier und seit 1921 eine Notkirche.

Die NotkircheAber erst nach Errichtung eines Pfarrhauses im Jahre 1922 gab die Regierung die Genehmigung zur Pfarreigründung.

Die Pfarrei St. Kilian wurde 1927 gegründet und konnte noch im selben Jahr die Kirchenweihe feiern. Eine große, im fränkischen Stil erbaute Kirche entstand im sogenannten Eisenbahnerviertel.

Kirchengebäude St. Kilian1926 feierte der Katholische Jungmännerverein sein 20-jähriges Stiftungsfest. In der damals erstell-ten Festschrift haben ehemalige Kapläne und kath. Lehrer (aus der Zeit von 1879 bis ca. 1920) ihre Erinnerungen niedergeschrieben. Es ist eine wundervolle Geschichtsquelle für jene Zeit.
1923 gibt Heinrich Leier den Auftrag, die provisorische Holzkanzel in der Heilig-Geist-Kirche zu ersetzen. Erstmals wirkt Heinrich Söller, ein junger, kaum 20-jährigen Künstler, nachdem alle vorherigen Kunstwerke fast ausschließlich von Münchner Professoren gestaltet wurden.
Am 3. August 1924 hält Heinrich Leier darauf die erste Predigt. Es ist der Tag seines 25-jährigen Priesterjubiläums.

Der 16. Pfarrer wird Anton Niedermeier. Er war ab 1915 Kaplan in Heilig Geist, wurde 1918 Expositur-Kaplan für Oberndorf und 1922 dort Pfarrer. Er blieb so lange wie kein anderer: 29 Jahre steuerte er die Pfarrei durch schwierige Zeiten. Er vollendet die Kirchenausstattung mit dem Triumphkreuz, ebenfalls von Söller, dem Kreuzweg von Theodor Baierl, einem Herz-Jesu- und einem Bruder-Konrad-Altar. Das letzte Stück ist der Söller-Taufstein im Jahre 1938.

Innerhalb von nur 40 Jahren ist ein gewaltiges Gotteshaus mit exzellenter Innenausstattung entstanden. Eine kurze Zeit, bedenkt man, dass darin der 1. Weltkrieg, eine Inflation und eine Weltwirtschaftskrise eingeschlossen waren.

Schwierig wird es in der Zeit des Nationalsozialismus. Die katholischen Pfarreien hatten zwar einen gewissen Schutz durch das Konkordat, aber das reiche Vereinsleben wurde lahm gelegt, das Vermögen und die Fahnen der Vereine eingezogen.

Nur ein Beispiel für die vielfältigen Probleme in dieser Zeit: der “Kleine Goebbelsbrief”. Er sorgt für Gestapo-Aktivitäten:
Kaplan Stoll erhält 18 Monate Gefängnis, viele Katholiken werden verhaftet, verhört und verlieren teilweise ihre Arbeit. Pfr. Niedermeier wird zu Haft und Geldstrafe verurteilt, wobei die Haft nach Einspruch zurückgenommen wird.

Die Bombenangriffe zerstören die neu gebauten Kirchen St. Josef und St. Kilian. Heilig-Geist aber blieb stehen, leicht angeschlagen zwar, aber schnell repariert.

Nach dem Krieg gab es einen rasanten Aufschwung. 1950 wurde die Pfarrei St. Anton gegründet, 1952 die Kirche geweiht.

St. Anton

Maria Hilf wurde 1951 gegründet und die Kirche war 1956 fertig gestellt worden.

Maria Hilf

Bereits 1953 und 1954 waren die zerstörten Kirchen St. Kilian und St. Josef wieder aufgebaut und eingeweiht worden.

Im Jahre 1952, sozusagen zum 50 jährigen Kirchenjubiläum von Heilig-Geist wurden die kunstvollen Chorfenster von Felix Baumhauer eingesetzt. Die früheren Kunst-Glasfenster hatte der Krieg zerstört.

1957, nach einem langen und aufregenden Priesterleben zog sich Prälat Niedermeier in den Ruhestand zurück. Zu seinen Ehren hat die Stadt Schweinfurt den Platz hinter der Kirche nach seinem Namen benannt.

Der 17. Pfarrer wird 1957 Heinrich Schultes, der ebenso wie Niedermeier vorher die Pfarrei St. Josef in Oberndorf innehatte. Er blieb nur 5 Jahre bis 1962. Die genügten allerdings, um das Innere der Kirche gewaltig umzugestalten.
Das II. Vatikanische Konzil war nicht direkt die Ursache, wohl aber der Anstoß für die gravierenden Veränderungen. Der Altar sollte seinen Platz in der Vierung bekommen. Der Chorraum wurde dadurch frei und konnte seinem “wörtlichen” Zweck zugeführt werden: er wurde ein repräsentativer Platz für Chor und Orchester bei den Orchestermessen.

Die Umgestaltung fiel in eine Zeit, in der architektonisch klare Linien und glatte Flächen gefragt waren. Man denke nur an das fünf Jahre vorher entstandene neue Schweinfurter Rathaus neben dem Renaissancebau. Und so nutzte man die Situation, um in der Kirche “gründlich aufzuräumen”. Vieles wurde entfernt, übertüncht oder zugemauert, nur wenig fand eine neue Heimat. Neu entstanden der Josefsfries und der “Sebastian” von Heinrich Söller, der Tabernakel von Ludwig Bossle und die Betonglasfenster in den Apsiden von Hanns und Sela Bail.

Obwohl schon 49 Jahre alt blieb der 18. Pfarrer, Sebastian Spielmann, 21 Jahre in Heilig-Geist.
In seine Zeit fällt die Anschaffung einer neuen und größeren Orgel und leider auch die kleine Chororgel, die bedauerlicherweise die von Buscher und Pruska 1910 geschaffenen Steinfiguren teilweise verdeckt.
1968 gestaltet er zusammen mit dem evangelischen Dekan den ersten ökumenischen Gottesdienst in St. Johannis, dem inzwischen viele folgten.
Das starke Wachstum in Schweinfurts Peripherie führte zu weiteren Pfarrei-Teilungen und Neu-gründungen…

  • 1962 Christ König am Bergl
  • 1963 St. Michael im Musikerviertel
  • 1964 St. Peter und Paul am Hochfeld und
  • 1981 Maximilian Kolbe am Deutschhof.

Auch der Bau des Dekanatszentrums in der Schultesstraße liegt noch in seiner Dekans-Zeit.
1983 zog er sich, 70-jährig, in ruhigere Gefilde nach Langendorf zurück.

Als 19. Pfarrer kam in diesem Jahr Heinz Röschert nach Schweinfurt.
Kirchenbaulich hatte er die Last großer Reparaturen und Renovierungen zu tragen. Ein neuer Altar und eine vergrößerte Altarinsel beseitigten einige Planungsmängel aus den 60er Jahren.
16 Jahre wirkte er in Schweinfurt, wovon er die meiste Zeit auch Dekan war.
In seine Zeit fällt der umfangreiche Senioren-Baukomplex der Caritas, das “Marienstift”, zwischen Friedhofstraße und Deutschhöfer Straße gelegen.
Als starker Förderer der Ökumene startete er zusammen mit dem evangelischen Dekan das ökumenische Großprojekt “neu anfangen”. 1999 zog er sich nach Stockheim in der Rhön zurück.