Wiedererstehen katholischen Lebens in der vormals evangelischen Reichsstadt

Am 18. April 2006 jährte es sich zum 200. Male, dass die Pfarrei Heilig-Geist gegründet wurde.
Dies ist Anlass, die Geschichte der Pfarrei, vor allem die ihrer Gründung, ins Blickfeld zu rücken. Dabei hilft zunächst das von Franz Xaver Himmelstein im Jahre 1846 begonnene handschriftliche ‘Erinnerungsbuch’.
Die sechs Pfarrer vor ihm haben anscheinend nichts Chronikartiges hinterlassen; zumindest ist bis jetzt noch nichts gefunden worden. Sie waren wohl noch stark mit dem Aufbau und der Festigung der Gemeinde beschäftigt.

Franz Xaver Himmelstein, Doktor der Philosophie, war Domkaplan in Würzburg und ist um den Jahreswechsel 1842 / 43 ‘ohne Gesuch auf die Pfarrey Schweinfurt befördert worden’ (wie er selbst schreibt).
1846 legte er ein Buch (MEMORABILIA parochiae…) mit folgendem Inhalt an:

  • die damalige Gottesdienstordnung (14 Seiten für den ganzen Jahreskreis)
  • die damalige Gebührenordnung
  • die Liste der Pfarrer und Kapläne
  • und eine Chronik der Pfarrei.

Zumindest nannte Himmelstein sein letztes Kapitel ‘Chronik’. Von den 17 Seiten, die er selbst geschrieben hat sind allerdings 15 Seiten rückblickende Pfarreigeschichte, also Ereignisse, die er nicht selbst erlebt sondern recherchiert hat.
Natürlich erwartete er, dass durch die Einträge seiner Nachfolger eine umfangreiche Pfarrei-Chronik entstehen würde. Dies ist leider nur in ganz geringem Umfange geschehen:
Die nächsten Pfarrer, Thaddäus Düring und Michael Philipp Helmsauer, ignorierten die Chronik völlig.
Erst Pfarrer Michael Büttner griff sie wieder auf und berichtete auf 7 Seiten über die Jahre 1856 / 57 und 58.
Der darauf folgende Pfarrer Josef Dahlem schaffte es gerade noch am letzten Tag seiner fünfjährigen Amtszeit, auf einer Seite die wichtigsten Ereignisse aus seiner Zeit zusammenzufassen.
Der letzte Eintrag ist von Pfarrer Theodor Diem, der auf 2 Seiten Ereignisse der Jahre 1868 und 69 berichtete. Danach hat die Chronik nur noch leere Seiten; keiner hat sie fortgeführt.

Doch zurück zu Himmelstein. Er beginnt auf Seite 47 seiner MEMORABILIA mit dem ersten Kapitel seiner Chronik, das er mit ‘Untergang der alten Pfarrei’ überschreibt.
Er meint damit die Vorgänge um den Übergang der Reichsstadt
Schweinfurt zur reformierten Lehre Martin Luthers.
Er schreibt:

‘Im Jahre 1531 schrieb Kaiser
Carl V. einen Fürstentag nach Schweinfurt aus, und sandte den Churfürsten von Mainz und den von der Pfalz dahin, um den Frieden mit den protestantischen Fürsten zu vermitteln.

War auch dieser sechswochenlange Convent für das heilige römische Reich ohne Erfolg, so blieb er doch nicht ohne Wirkung für die freie Reichsstadt Schweinfurt selbst; denn er war es eigentlich, welcher der neuen Lehre des wittenberger Doctors das Thor in dieselbe öffnete.

Im Gefolge des Churprinzen von Sachsen befand sich auch der fürstliche Hofprediger und vertraute Freund Luthers, -Georg Spalatin, welcher auf Begehren und unter der Protektion der protestantischen Fürsten und Herren während der Dauer des Convents öffentliche Vorträge hielt, -natürlich im Geiste Luthers.

Indessen der Rath erkannte sein Interesse zu gut, als dass er bei dem damaligen zweifelhaften Stande der Sache einen offenen und entscheidenden Schritt wagen wollte; obwohl der
freireichsstädtische Stolz wie anderwärts so auch hier nach vollkommener Freiheit von der geistlichen Oberherrlichkeit sich sehnte, zumal Schweinfurt mit den früheren Fürstbischöfen von Würzburg häufig in Streithändel verwickelt war.
Auch bot der damalige Fürstbischof Conrad von Thüngen, sowie sein Nachfolger Conrad von Bibra Alles auf, um die zum Würzburger Sprengel gehörige Reichsstadt im alten katholischen Glauben zu erhalten.
Jedoch alle ihre Anstrengung vermochte nur auf kurze Zeit den Abfall aufzuhalten. Dieser erfolgte wirklich i.J. 1542, mit Hilfe des Landgrafen Philipp von Heßen, welchen die Stadt nach Abgang des Grafen Wilhelm von Henneberg,zu ihrem Schirmherren erwählt hatte, und welcher ihr den göttinger Prediger, Magister Johann Sutellius sandte.
Von den katholischen Geistlichen in der Stadt trat ein Einziger – ein Carmeliter-Mönch zur neuen Lehre über.

Während Sutellius in der Kirche zu unsere lieben Frau sein Unwesen trieb, behauptete der damalige katho-lische Stadtpfarrer Dr. Johannes Feigenbaum mit seinen beiden Kaplänen, Johannes Klüglein und Martin Eben sich in der Hauptkirche zu St.Johann,
Die unausgesetzten Zankereien, … denen sie ganz hilflos preisgegeben waren, entmuthigten endlich die beiden Kapläne, und sie zogen sich, da ihre längere Gegenwart in Schweinfurt ohne Nutzen war, zurück – Klüglein nach Bamberg und Eben nach Würzburg,
Pfarrer Feigenbaum wurde endlich, da alle Ueberredungs- und Ueberlistungsversuche an seiner Standhaftigkeit scheiterten, mit Gewalt aus der Hauptkirche vertrieben, konnte aber durch nichts dahin gebracht werden, die Stadt selbst zu verlassen.’

Er starb wahrscheinlich 1549 in Schweinfurt.
Für die nächsten 260 Jahre gab es innerhalb der Reichsstadt Schweinfurt kein Bürgerrecht für Katholiken mehr. Gelegentliche katholische Gottesdienste beschränkten sich auf katholische Militärbesatzungen und katholische Kreisdelegierte im 1745 abgehaltenen Kreisconvent.